Steffen Christmann, stellvertretender VDP-Vorsitzender der Pfalz und Winzer in Gimmeldingen sieht vor allem in den skandinavischen Ländern und den Benelux-Staaten interessante Märkte für die Zukunft, aber auch Spanien und Italien interessieren sich laut Christmann immer mehr für deutsche Weine. Dass vor allem die hohen Riesling-Qualitäten aus dem Jahrgang 2005 knapp werden könnten, diese Befürchtungen hört man immer öfter. Denn die deutschen Winzer mussten 2005 Ernte-Einbußen zwischen zehn und 40 Prozent hinnehmen. Dafür bietet der Jahrgang beste Qualität durch alle Prädikatsstufen: von einfachen erfrischenden Gutsweinen über finessenreiche Kabinett-Qualitäten und saftige, elegante Spätlesen bis zu den edelsüßen Spezialitäten. Immer mehr fokussiert sich der deutsche Qualitätsweinbau auf die Produktion der „Großen Gewächse", die im trockenen Bereich die deutschen Spitzenweine definieren. Aber die „neue deutsche Welle" ist nicht ausschließlich trocken, neben den „Ersten" und „Großen Gewächsen" legen auch die feinherben und restsüßen Weine in der Verbrauchergunst zu. Zwar langsam, wie Oliver Haag vom Mosel-Weingut Fritz Haag in Brauneberg bestätigt, aber doch kontinuierlich. Relativ leicht im Alkohol - nicht selten um die acht Volumenprozent bei vollem Geschmack, liegen vor allem restsüße Rieslinge in den USA und im asiatischem Raum voll im Trend. Und das nicht nur zu „Spicy-Food". Der Wunsch nach beschwingten, geschmackvollen und dennoch leicht bekömmlichen Weinen findet in der möglichen Vielfalt deutscher Weine den idealen Partner. Entsprechend facettenreich ist das Angebot deutscher Weingüter auf der ProWein 2006. Auch im sensiblen Bereich „Deutscher Rotwein" wächst die Anerkennung. Paul Fürst, Winzer aus Franken und einer der renommiertesten Protagonis¬ten der deutschen Rotwein-Szene, freut sich über die internationale Reputation: „Zum ersten Mal werden jetzt auch die hochwertigen Spätburgunder in den USA platziert, die Nachfrage für deutsche Rotweine zieht spürbar an." Dass es beim deutschen Rotwein viel um Eleganz, Finesse und Kraft und weniger um die geschmackliche Kopie der Gewächse aus dem Burgund geht, zeigen vor allem die Winzer von der Ahr und aus Baden, aber auch aus Franken, Württemberg und der Pfalz.

Es bereitet Vergnügen, in geselliger Runde Wein zu trinken, ihn zu verkosten und zu bewerten, um so Vorlieben zu bilden. Trotzdem ist der Werdegang bei allen Weinnasen nahezu gleich: von weiß zu rot, von lieblich zu trocken. Für den „Anfänger" ist Deutschland mit seiner Rebsortenvielfalt ein ideales Weinland. In kaum einem anderen Gebiet finden sich so viele Geschmacksrichtungen abgestuft nach dem Grad der Süße. Jeder findet hier seinen Lieblingsweißwein – sei es den säurebetonten Riesling von der Mosel, einen körperreichen kräftigen Wein aus dem Rheingau bis hin zu einer blumigen Neuzüchtung wie Optima oder Ortega aus Rheinhessen oder der Pfalz.
Wenn man aber die paradiesische Oase des Weißweines in der Bundesrepublik verließ, befand man sich bis vor wenigen Jahren in einer Rotweinwüste. Natürlich wurde in Deutschland schon immer Rotwein angebaut, überwiegend die Sorten Spätburgunder und Portugieser. Besonders die Ahr war stolz auf ihr geschlossenes Rotweingebiet, der Rheingau präsentierte seine Assmannshäuser Spätburgunder. Daneben gab es in Württemberg die lokalen Größen wie Trollinger und Lemberger, nicht zu vergessen die badischen Rotweine.
Rotwein war jedoch selten, teuer aber kaum gut. Warum sollte auch eine Traube, die viel Sonne und Wärme braucht, ausgerechnet in einem nördlichen Weinanbaugebiet wie der Ahr optimal gedeihen? Andererseits warum sollte ein Winzer, der seinen gesamten Rotweinbestand bequem und sicher verkaufen konnte, seinen Gewinn schmälern durch die radikale Selektion der Trauben? Es konnten sich auf Dauer nur wenige Weintrinker mit diesem Wein anfreunden, aber es war ja auch nur wenig da. Mit der Öffnung der Märkte und der Ausweitung des Handels kamen mehr und mehr Weine, speziell Rotweine, zunächst aus Frankreich und Italien, später aus Übersee nach Deutschland. Auf Grund dieser Konkurrenz, die zu einem vernünftigen Preis gute Weine anbot, wurden die deutschen Winzer wach, zumal auch eine neue Winzergeneration herangewachsen war, die teilweise Erfahrungen im Ausland gesammelt hatte.
Zunächst machte man aus der Not eine Tugend: tieffarbige Rotweine, wie z.B. die Sorten Dornfelder und Dunkelfelder, die vorher nur als „Deckweine" herhalten mussten, wurden jetzt eigenständig ausgebaut. Zuvor gaben diese Reben den blassen Burgundern etwas Farbe, da sie ansonsten höchstens als Rosé hätte durchgehen können. Und siehe da, es kam ein kräftiger, tieffarbiger Wein heraus, der in einigen Gebieten dem Spätburgunder jetzt schon die Führung streitig macht – mit steigender Tendenz. Danach folgte das Kopieren der Weinbereitung der anderen Länder (Barrique-Ausbau um temperaturgesteuerte Gärung). Als letzter Schritt sind nun die französischen Edelrebsorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot auf dem Vormarsch, wenn auch nur im Versuchsanbau.
Endlich hat sich auch die Devise durchgesetzt: „Klasse statt Masse"! Man kann auch so sein Geld verdienen. Der Markt regelt das: Die dünne Brühe eines deutschen Winzers hält sich nicht lange nur weil Cabernet Sauvignon auf dem Etikett vermerkt ist, der Wein sollte auch so schmecken.
Die klimatischen Bedingungen sind in einigen Gebieten Deutschlands durchaus vorhanden, um kräftige, schmackhafte und interessante Rotweine zu produzieren, wenn man es mit der notwendigen Liebe und Sorgfalt tut.
Es tut sich grundlegend etwas in der deutschen Rotweinlandschaft und die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Viele Winzer sind auf dem richtigen Weg, allerdings hat diese Verbesserung der Weinbereitung auch ihren Preis. Dieser Rotwein ist nicht billig, aber das war deutscher Rotwein nie. Trösten wir uns mit dem Satz: „Der deutsche Rotwein wird zwar nicht billiger, aber besser!" 
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